Vor mehr als vier Jahren, am 19.
September 2004, wurde ich erneut direkt in den Brandenburger Landtag gewählt.
Mit31,9 % musste die SPD damals eine
bittere Wahlniederlage hinnehmen. Im Wahlkreis 8(Mühlenbecker Land,
Birkenwerder, Glienicke/Nordbahn, Hohen Neuendorf, Velten) lag unsere Partei
mit 31,7 % der Zweitstimmen knapp unter dem Landesdurchschnitt. Ich selber
errang 31,7 % der Erststimmen.
Die SPD war damals bundesweit auf einem
Tiefpunkt in der Wählergunst. Die damaligen Diskussionen um die Agenda 2010 und
insbesondere um die Hartz IV-Gesetzesowie die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit waren sicher die Hauptgründe
hierfür. Trotzdem konnten wir unseren Wahlkreis in gemeinsamer Anstrengung
gewinnen.
Wir haben uns damals entschieden die
Koalition mit der CDU fortzusetzen. Sie konnte im Gegensatz zur damaligen PDS
die Gewähr dafür bieten, dass in Brandenburg eine solide und
zukunftsorientierte Politik fortgesetzt wird. Es soll aber auch nicht verschwiegen
werden, dass es immer wieder zu Konflikten und Auseinandersetzungen mit dem
kleineren Koalitionspartner kam, die dieZusammenarbeit teilweise sehr erschwerten. Trotzdem wurden schwierige
und auch zum Teil unpopuläre Reformvorhaben in der laufenden Legislaturperiode
begonnen und umgesetzt, um den Landeshaushalt nachhaltig zu konsolidieren.
Dabei war die CDU mehr mit sich selbst als mit den Problemen des Landes
beschäftigt, während die Linke sich notwendigen Reformen verweígerte und
populäre aber unbezahlbare Forderungen aufstellte. Die SPD konnte hingegen für
die Brandenburgerinnen und Brandenburger viel erreichen und das Land durch eine
gute Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik voranbringen. Dabei stellte sich
heraus, dass der beste Wirtschaftsminister von Brandenburg der
Ministerpräsident selbst ist.
Wahlkreisarbeit
Wie in den vergangenen Legislaturperioden
gab es zahlreiche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern an den
Landtagsabgeordneten Alwin Ziel, so auch zu den Wohnformen für ältere Bürger.
In den letzten Jahren haben sich eine Vielzahl an Wohn- und Betreuungsformen
für ältere Menschen herausgebildet. Eine dieser Betreuungsformen sind die Senioren-Wohngemeinschaften, in denen
sich mehrere ältere Menschen mit unterschiedlicher Pflegebedürftigkeit eine
Wohnung teilen. Oft werden die Senioren-Wohngemeinschaften von einem
Pflegedienst getragen und betreut.
In Oberhavel wurden seit Anfang dieses
Jahres mehrere dieser Einrichtungen vom Landkreis geschlossen bzw. die
Schließung angedroht. Begründet wurde dieses Vorgehen u. a. mit fehlenden
Brandschutztüren und unzureichenden Fluchtmöglichkeiten im Brandfall. Der
Landkreis legte hier die strengen Bauvorschriften für Heim- und
Pflegeeinrichtungen an. Die Betreiber bzw. die Betroffenen waren hingegen der
Auffassung, dass sie nicht unter diese Bauvorschriften fallen bzw. Ausnahmen
zulässig und möglich wären.
Nach Gesprächen mit den Betroffenen habe
ich in der Fraktion und mit den zuständigen Ministern Dagmar Ziegler und
Reinhold Dellmann eine Lösung dieses Problems angeregt. Die beiden Ministerien
sollten in Zusammenarbeit mit den beiden zuständigen Arbeitskreisen der
Fraktion in einem gemeinsamen Rundschreiben Kriterien für Senioren-WG
festlegen, die den Sicherheits- und Schutzbedürfnissen der Bewohner Rechnung
tragen, aber auch in diesem Rahmen flexible und praktikable Lösungen für die
Genehmigung und den Betrieb solcher Wohnformen ermöglichen. Nach längeren
Verhandlungen konnte im Juni dieses Jahres ein entsprechendes Papier fertig
gestellt werden. Ich denke, dass damit die berechtigten Interessen aller
Beteiligten, insbesondere die der Bewohner,berücksichtigt wurden und in Zukunft auf dieser Grundlage
konfliktfreiere Lösungen möglich sind.
Aktuell sind Tagesmütter aus dem Wahlkreis mit einem bundesweiten Problem an
mich herangetreten. Ab dem 01.01.2009 werden auch Tagesmütter voll besteuert.
Dadurch wird in vielen Fällen insbesondere verheirateten Tagesmüttern nur ein
geringer Nettoverdienst bleiben. Viele dieser Tagesmütter denken deshalb daran,
ihre Tätigkeit einzustellen. Ziel muss es sein, dieses sinnvolle Angebot in der
Kinderbetreuung in einem ausreichenden Maße aufrecht zu erhalten. Ich habe mich
deshalb bereits an den zuständigen Bildungsminister gewandt. Auch in der
Fraktion steht dieses Thema auf der Tagesordnung.
Jahrelang habe ich bei den verschiedenen
Gelegenheiten auf die dringende Notwendigkeit eines Radweges zwischen Hennigsdorf und Velten aufmerksam gemacht.Ich freue mich deshalb umso mehr, dass
endlich nach einigen Verzögerungen mit dem Bau des Radweges Hennigsdorf – Velten
begonnen wurde. Leider wird der Radweg witterungsbedingt voraussichtlich erst
im Frühjahr nächsten Jahres vollständig fertig gestellt. Er wird aber schon
jetzt von den Radfahrern genutzt.
Den verschiedenen Vereinen und Institutionen
im Landkreis stand und stehe ich als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.
Gerade die Ehrenamtlichen leisten eine Arbeit, die gar nicht hoch genug
eingeschätzt werden kann. Ich werde daher das ehrenamtliche Engagement
weiterhin in unterschiedlicher Form z. tauch finanziell unterstützen. Darüber hinaus sinddiese Kontakte eine wertvolle
Informationsquelle für meine Arbeit, da man bei diesen Gelegenheiten kompakt
von Problemen erfährt aber auch positive Beispiele kennen lernt.
Der Kontakt zu den SPD-Ortsvereinen ist mir sehr wichtig. Die SPD-Basis war es, die
mich für diesen Wahlkreis nominierte und die für mich und mit mir zusammen
einen erfolgreichen Landtagswahlkampf geführt hat. Die SPD-Mitglieder sollen
wissen, dass ich mich freue, zu den Mitgliederversammlungen oder anderen
SPD-Veranstaltungen eingeladen zu werden, um über meine Arbeit zu berichten,
aber auch Kritik und Anregungen für die Landespolitik mitzunehmen. Auch bin ich
immer dazu bereit die Ortsvereine bei ihren Aktivitäten, wie z. B. bei der
erfolgreichen Veranstaltung am 2. Juli in Schildow mit dem Bildungsminister
Rupprecht, zu unterstützen
In unregelmäßigen Abständen halte ich an
verschiedenen Orten im Wahlkreis Bürgersprechstunden
ab. Hier können sich die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Firmen und Vereine
mit ihren Anliegen und Problemen an mich wenden.
Die Sprechstunde wird rege genutzt.
Häufig kommen Menschen mit Anliegen aus dem sozialen Bereich, insbesondere zum
Arbeitslosengeld II. Oft gibt es auch Probleme aus dem Bauplanungsbereich.Aber auch Institutionen jeglicher Art wenden
sich mit der Bitte um Unterstützung und Hilfe an mich.
Nicht jedes Problem aus den
Bürgersprechstunden und aus meinen sonstigen Gesprächen konnte gelöst werden.
In vielen Fällen konnte ich aber weiterhelfen. Auch außerhalb der
Bürgersprechstunden, die zuvor in der Presse bekannt gegeben werden, kann man
sich persönlich im Wahlkreisbüro in Oranienburg, Lehnitzstraße 11, oder
telefonisch unter 03301 / 57 54 94 bzw. per E-Mail (
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) an meinen Mitarbeiter Thomas
Kiesow oder mich wenden.
Landtagsarbeit
Ich bin Mitglied des Rechtsausschusses,
stellvertretendes Mitglied des Ausschusses Arbeit, Soziales, Gesundheit und
Familie sowie Mitglied des Arbeitskreises Innen, Recht, Europa und des
Arbeitskreises Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit der SPD-Fraktion.
Darüber hinaus gehöre ich dem Richterwahlausschuss an. In den Arbeitskreisen
werden die entsprechenden Themen und Gesetze für die Behandlung in der Fraktion
und den Ausschüssen beraten. Darüber hinaus findet auf der Arbeitskreisebene
die Abstimmung mit dem Koalitionspartner statt.
Wichtige Beratungsthemen im Arbeitskreis
Innen, Recht und Europa waren neben der Novellierung der Kommunalverfassung (s.
u.) die Sicherung der feiwilligen Feuerwehren und der Brand- und
Katastrophenschutz. Hier konnte mit der Schaffung der Stützpunktfeuerwehren die
technische Einsatzfähigkeit weiter abgesichert werden. Sorge bereitet
allerdings die zurückgehende Anzahl der aktiven Kameraden bei den freiwilligen
Feuerwehrensowie der zu geringe
Nachwuchs. In Zukunft muss daher noch mehr für freiwillige Feuerwehren geworben
und das Engagement der Kameraden besser unterstützt werden. Vor allem aber
werde ich die guten Kontakte zu den Feuerwehren weiter ausbauen, um deren
Anliegen noch besser vertreten zu können.
Weitere wichtige Themen waren die
Neuorganisation der Polizei und das Polizeigesetz. Trotz des notwendigen
Stellenabbaus bei der Polizei konnte durch Neuverteilung der Aufgaben die
Einsatzfähigkeit der Polizei und damit die Sicherheit der Bürgerinnen und
Bürger gewährleistet werden. Ich stand bei diesem Prozess in engem Kontakt zum
Bund Deutscher Kriminalbeamter und zur Gewerkschaft der Polizei, um deren
Fachwissen in die Beratungen einzubringen.
Im Bereich der Inneren Sicherheit hat die
CDU die Tendenz, Bürger- und Datenschutzrechte prophylaktisch und ohne
hinreichende Notwendigkeit einzuschränken. Der Schutz der Bürgerinnen und
Bürger vor Kriminalität und Terrorismus hat auch für mich höchste Priorität.
Allerdings dürfen Maßnahmen und Gesetze hierfür die Freiheits- und Schutzrechte
der Bürgerinnen und Bürger nicht unverhältnismäßig einschränken. Sie müssen
sich vielmehr daran orientieren, ob sie ihren Sinn und Zweck erfüllen. Die SPD
hat deshalb bei dem zu beschließenden Polizeigesetz die endgültige
Festschreibung der Handyortung und der Kennzeichenerfassung verhindert. Diese
beiden Maßnahmen sollen weiterhin auf ihre Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit
überprüft werden. Unsere Vorstellungen nach entsprechendem Richtervorbehalt
sowie nach Transparenz, wissenschaftlicher Begleitung und unabhängiger
Evulation flossen deshalb in das Gesetzgebungsverfahren mit ein. Davon hatte
ich meine Zustimmung zum Polizeigesetz und einem Entschließungsantrag der
Regierungskoalition abhängig gemacht.
Im Arbeitskreis Innen, Recht und Europa
bin ich u. a. für den Haushalt und das Dienstrecht zuständig. Durch die
Föderalismusreform haben die Bundesländer mehr Kompetenz in dem komplizierten
Feld des Dienstrechts bekommen. Hier wird die SPD-Landtagsfraktion in enger
Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und Personalvertretungen gründlich
prüfen, wo es Änderungs- und Handlungsbedarf gibt. Nicht zuletzt ist ein
modernes Dienstrecht eine der Voraussetzungen für eine effektive und moderne
öffentliche Verwaltung.
Haushaltskonsolidierung
Schon vor fünf Jahren war die
Konsolidierung des Haushalts eine der wichtigsten aber auch schwierigsten
Aufgaben der Landespolitik. Daran hat sich nichts geändert. Die Ausgaben allein
für die Schuldzinsen betrugen im Jahr 2007 knapp 800 Millionen €. Für das Jahr
2008 sind 888 Millionen € im Haushalt eingestellt. Das sind 8,7 % der gesamten
Ausgaben. Es ist daher für die Handlungsfähigkeit der Landespolitik enorm
wichtig, die Neuverschuldung auf null zu fahren um die Zinsbelastung nicht
weiter steigen zu lassen.Hier können
wir Erfolge verzeichnen. So lag die Neuverschuldung im Jahr 2007 schon bei null
€. Begründet war dies durch Steuermehreinnahmen aufgrund der guten Konjunktur
aber auch durch eine strikte Ausgabendiziplin sowie durch strukturelle
Haushaltseinsparungen.
Nach der mittelfristigen Finanzplanung
sind ab dem Jahr 2010 keine neuen Schulden im Haushaltsplan vorgesehen. In
Hinblick auf die aktuelle Finanzkrise und den noch nicht absehbaren Folgen für
die Wirtschaft und den Landeshaushalt wird das Erreichen dieses Ziels eine der
schwierigsten Aufgaben sein.
Sparen allein sichert aber nicht die
Zukunft unseres Landes. Vielmehr müssen in der MittelverteilungPrioritäten für eine sozial- und
zukunftsorientierte Politik gesetzt werden. Von den Einsparungen im Haushalt
wurden deshalb die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie
Wirtschaft, Technologie und Innovation ausgenommen. Gleichzeitig sollen die
Investitionsausgaben auf einem möglichst hohen Niveau gehalten werden. Dies ist
eine schwierige Aufgabe, da andere Bereiche, insbesondere Personalkosten, von
Kürzungen betroffen sind. Beispiele zeigen, dass durch Umstrukturierungen
Einsparungen möglich sind, ohne dass es zu Leistungseinschränkungen für die
Bürgerinnen und Bürgerkommen muss. So
wurde das Landesstraßenbauamt bei Aufrechterhaltung der Straßenbau- und
unterhaltsmaßnahen in einen Eigenbetrieb umgewandelt. Aktuell findet die Reform
der Forstverwaltung statt, bei der die nichthoheitlichen Aufgaben in einen Landesbetrieb
verlagert werden. Auch diese Reform muss unter Mitwirkung der betroffenen
Mitarbeiter sozialverträglich gestaltet werden. Letztendlich müssen wir uns bei
aller Spar- und Reformnotwendigkeit daran orientieren, dass Belastungen gerecht
verteilt und die notwendigen Aufgaben der öffentlichen Hand sachgerecht erfüllt
werden.
Wichtig ist die Finanzausstattung der
Kommunen. Sie sind es, die wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Infrastruktur schaffen und aufrechterhalten. Mit dem Finanzausgleichsgesetz
bekommen die Kommunen einen festgelegten Anteil an den Landeseinnahmen,
verteilt nach verschiedenen Kriterien, wie z. B. Steuerkraft, Größe und
Sozialstruktur. Die Finanzausstattung der Gemeinden, Städte und Landkreise war
zu keiner Zeit besonders üppig. Worauf ich als Landtagsabgeordneter und
Mitglied des Arbeitskreises I der SPD-Fraktion immer großen Wert gelegt habe,
ist eine auskömmliche Finanzierung für neu übertragende Aufgaben. So bekenne
ich mich ausdrücklich zum verfassungsrechtlich verbürgten Konnexitätsprinzip,
dessen Aufnahme in unsere Landesverfassung ich als damaliger Verfassungs- und
Kommunalminister persönlich im Landtag betrieben habe.
Kommunalverfassungsreform
Einer der großen
Vorhaben der Koalition war die Reform der Kommunalverfassung. Ziele der
SPD-Fraktion wie auch meine waren es, die Eigenständigkeit der Kommunen zu
stärken und die Rechte der Gemeindevertretungen durch klare Regelungen zu
festigen. Diese Ziele konnten, zum Teil gegen den erheblichen Widerstand der
CDU, durchgesetzt werden.
Hauptstreitpunkt
bis zuletzt war die wirtschaftliche Betätigung der Kommunen. Die CDU wollte
einen Vorrang von privaten Anbietern gegenüber kommunalen Unternehmen
durchsetzen. Hierfür sollten die privaten Unternehmen ein Klagerecht erhalten. Die
rechtskonforme Gründung und die wirtschaftliche Betätigung von kommunalen
Unternehmen wäre durch unberechtigte Klagen auf längere Zeit blockiert worden.
Damit hätte die CDU ihr Ziel, die Privatisierung kommunalen Eigentums, ein
gutes Stück vorangetrieben. Dies konnte letztendlich durch den Widerstand der
SPD-Fraktion verhindert werden.
Ein für die SPD
positiver Kompromiss konnte bei der von der CDU geforderten Direktwahl der
Landräte erreicht werden. Der Koalitionspartner argumentierte, dass mit der Direktwahl
mehr Bürgernähe und kommunale Mitbestimmung erreicht werden würde. Gerade die
Erfahrungen bei den Kommunalwahlen in Sachsen zeigen aber, dass das Interesse
der Bürgerinnen und Bürger an der Direktwahl der Landräte sehr gering ist. In
einigen Landkreisenlag sie unter 30 %.
Darüber hinaus fungiert der Landkreis und somit der Landrat in einigen
Bereichen als unterste Verwaltungsbehörde, die Gesetze und Verordnungen nach
Weisung auszuführen hat. Die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger in einen
direkt gewählten Landrat dürften somit enttäuscht werden, da er oft genug gar
nicht den entsprechenden Entscheidungsspielraum hat. Von diesen Argumenten ließ
sich die CDU nicht überzeugen. Es kam daher zu dem Kompromiss, dass die
Landräte erst ab 01.01.2010 direkt gewählt werden. In der Zeit bis dahin dürfen
die Kreistage frühestens sechs Monate vor Auslauf der Wahlperiode die Wahl
vollziehen.
Bildungspolitik
Die wohl größten
inhaltlichen Differenzen bestanden und bestehen in der Bildungspolitik. Alle
internationalen Studien und Vergleiche bescheinigen dem deutschen Schulsystem
durchschnittliche bis schlechte Leistungen. Nirgendwo ist die Höhe des
erreichten Schulabschlusses so von der sozialen Herkunft abhängig wie bei uns.
Unser Schulsystem mit seiner frühen Auslese zementiert geradezu die
Chancenungleichheit. Trotz dieser Erkenntnisse wehrte sich die CDU jahrelang
gegen Reformen des Schulsystems hin zu mehr Chancengleichheit. Erst der
Schülerrückgang gerade in den bevölkerungsarmen Regionen zwang die CDU dazu,
sich von dem alten dreigliedrigen Schulsystem zu verabschieden und der
Zusammenführung der Gesamtschule und der Realschule zur Schulform Oberschule
zuzustimmen. Das die CDU aber weiterhin wenig Interesse an mehr
Chancengleichheit hatte, zeigte sich an ihrer vehementen Forderung, sogenannte
Leistungsklassen ab der Klassenstufe 5 flächendeckend einzuführen. Damit wären
Grundschulen in bevölkerungsärmeren Regionen gefährdet und der frühen sozialen
Auslese noch Vorschub geleistet worden. Mit dem erzielten Kompromiss, das nur
34 Leistungsklassen im Land Brandenburg gebildet werden und die jeweiligen
Kreistage hierzu ihre Zustimmung geben müssen, konnte dies verhindert werden.
So wird es in Oberhavel keine dieser sogenannten Leistungsklassen geben.
Stattdessen werden zusätzliche Mittel und Lehrerstellen zur zielgerichteten
Begabtenförderung an den einzelnen Schulen eingesetzt.
Mit dem Erhalt
der Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufekonnte ein wichtiger Teil sozialdemokratischer Bildungspolitik erhalten
bleiben. Gerade für Schülerinnen und Schüler, denen nicht schon von vornherein
das Abitur vorbestimmt ist, ist diese Schulform eine Möglichkeit, dass Abitur
auf direkten Weg zu erreichen. Das Mühlenbecker Land hat mit seiner
Entscheidung, seine Gesamtschule mit einer gymnasialen Oberstufe zu erweitern,
diese Chance genutzt. Dabei muss betont werden, dass es gerade Sozialdemokraten
aus diesem Wahlkreis waren, die durch gemeindeübergreifendes Engagement dafür
gesorgt haben, dass es ein differenziertes und ausreichendes Bildungsangebot
für die Schülerinnen und Schüler gibt.
Die
Bildungspolitik der letzten Jahre war einerseits durch den Schülerrückgang
geprägt, der Schulschließungen notwendig machte. Auch im Landkreis Oberhavel
wurden Schulen geschlossen, was für die betroffenen Schulen und Gemeinden
schmerzlich, aber letztendlich zur Aufrechterhaltung der Schul- und
Unterrichtsqualität notwendig war. Andererseits wurde die Bildungslandschaft in
Brandenburg ständig weiterentwickelt, um die Qualität der Schulen und des
Unterrichts zu erhöhen. Es muss aber auch kritisch festgestellt werden, dass
die gefundenen Kompromisse in der Bildungspolitik mit der CDU nicht in jedem
Punkt ausreichend sozialdemokratischen Vorstellungen entsprochen haben. Daher
wird die Bildungspolitik auch in Zukunft eines unserer wichtigsten
Handlungsfelder sein.
Sozialpaket
Man kann auf
zwei Arten Sozialpolitik betreiben: Einerseits soziale Wohltaten, d. h. Mittel
undifferenziert auf möglichst viele Menschen verteilen, ohne dabei die notwendige
Finanzierung dieser Maßnahmen zu beachten und ob diese überhaupt die erwünschte
positive Wirkung für die Betroffenen haben. Diese Art von Sozialpolitik nenne
ich Sozialpopulismus, da den Menschen nicht realisierbare Versprechungen
gemacht werden. Oder man identifiziert die sozialen Notlagen bei den
Bedürftigen und setzt die zur Verfügung stehenden Mittel zielgerichtet zur
Verbesserung ihrer Situation und zur Erhöhung ihrer Chancen ein. Wir haben uns
im Land Brandenburg für den zweiten Weg entschieden.
Im Mai dieses
Jahres konnten wir nach langwierigen Verhandlungen mit der CDU ein Sozialpaket
für Brandenburg beschließen, das diesen Anforderungen entspricht. Das Paket mit
einem Umfang von 8,8 Mio. € beinhaltet eine Reihe von Leistungen, die vielen
tausend Menschen in Brandenburg ganz konkret helfen werden. Im Einzelnen sind
das folgende Maßnahmen:
Mobilitätsticket: Gerade Hartz IV-Empfänger und
Geringverdiener besitzen oft kein eigenes Auto und sind deshalb auf öffentliche
Verkehrsmittel angewiesen. Damit sie trotzdem am sozialen und kulturellen Leben
über ihr eigenes Wohnumfeld hinaus teilnehmen können, haben sie die
Möglichkeit, ein Monatsticket zur Hälfte des sonst üblichen Preises für sechs
Waben oder drei Landkreise zu erwerben.
Schülerbeförderung: Mit 5,66 Mio. € wird die
Schülerbeförderung in den Kreisen und den kreisfreien Städten unterstützt.
Sofern die Schülerbeförderung kostenpflichtig ist, sollen die Preise sozial
gestaffelt werden, um Eltern mit geringem und mittlerem Einkommen zu entlasten.
Schulsozialfond: Mit Beginn dieses Schuljahres wurde der
Schulsozialfond mit 3,1 Mio. € eingerichtet. Mit ihm werden bedürftige
Schülerinnen und Schüler z. B. bei kostenpflichtigen Wandertagen und
ergänzenden Ganztagsangeboten oder bei der Beschaffung von Arbeitsmitteln
unterstützt. Die Entscheidung über die Verteilung der Mittel liegt bei der
Schule und soll möglichst unbürokratisch geschehen.
Die SPD-Fraktion
konnte leider gegenüber dem Koalitionspartner CDU noch nicht das Schüler-Bafög
durchsetzen. Gerade diese Leistung wäre dazu geeignet mehr Schülerinnen und
Schülern aus sozial schwachen Familien den Weg zum Abitur zu erleichtern. Gute
Bildung darf nicht am fehlenden Geld scheitern. Die SPD wird deshalb das
Schüler-Bafögin der nächsten Legislaturperiode
neu einfordern.