Moderne Informations- und Computertechnologien in der Justiz
mündliche Anfrage vom 08.05.2005

Für eine effektive und moderne Verwaltung sowie für die Gerichte
und Staatsanwaltschaften sind moderne Informationsund
Computertechnologien unerlässlich. Mit ihrer Hilfe können
Abläufe effektiver und schneller gestaltet werden. Nicht
zuletzt die Bürgerinnen und Bürger haben durch schnellere und
kostengünstigere Erledigung ihrer Anliegen einen Vorteil.
Ich frage die Landesregierung: Wie sind die mittel- und langfristigen
Planungen hinsichtlich der weiteren Ausstattung der
Justiz mit modernen Informations- und Computertechnologien?

Antwort der Landesregierung
Ministerin der Justiz Blechinger
Die gesellschaftlichen und justizpolitischen Entwicklungen in
den letzten Jahren haben gezeigt, dass die Nutzung fachbezogener
IT-Verfahren und die IT-gestützte Verwaltung eine nicht
mehr wegzudenkende Bedeutung im Justizalltag erlangten.
Damit wurde der in der Justiz des Landes Brandenburg bereits
über Jahre beschrittene Weg der Automatisierung von Verfahren
bestätigt.
Vieles, was früher zwingend mit einem Gang zum zuständigen
Gericht verbunden war, kann heute oder in naher Zukunft online
erledigt werden. Dies gilt nicht nur für Rechtsanwälte und
Notare, sondern auch für den Privatmann.
Die erreichte Vollausstattung der Gerichte und Staatsanwaltschaften
mit IT-Technik gilt es in den nächsten Jahren trotz
knapper Kassen zu erhalten. Dabei kommt es darauf an, den Innovationszyklen
zum Austausch veralteter Hardware zu entsprechen
und die vorhandenen Softwareprodukte zu pflegen
und weiterzuentwickeln.
Daneben wird sich die Justiz der Aufgabe stellen, moderne
Trends in der Informationstechnik und Kommunikationswirklichkeit
nachzuvollziehen, soweit dies sinnvoll ist.
Auf die eingesetzten und in den Folgejahren weiterzuentwickelnden
IT-Verfahren und Projekte der Justiz Brandenburgs
möchte ich kurz eingehen:
1. Elektronisches Grundbuch SolumSTAR
Im September 2002 begann im Land Brandenburg die Umstellung
des Grundbuchs auf das elektronische System.
Derzeit werden bereits ca. drei Viertel aller Grundbücher
Brandenburgs elektronisch geführt. Bis Mitte 2006 wird
die Umstellung auf die elektronische Grundbuchführung
vollständig abgeschlossen sein.
Die Pilotierung des automatischen Abrufverfahrens "SolumWEB"
ist in vollem Gange. Hiermit erhalten Notare,
Banken und andere Behörden die Möglichkeit, über das
Internet in die Grundbücher Einsicht zu nehmen. Mit der
Praxiseinführung rechne ich schon in wenigen Wochen.
2. Elektronisches Registerverfahren AUREG
Mitte März 2005 wurde in Brandenburg damit begonnen,
die Handels-, Genossenschafts- und Partnerschaftsregister
elektronisch zu führen. Das Registerverfahren AUREG
kam zunächst am Amtsgericht Neuruppin zum Einsatz und
soll bis Mitte 2006 an allen vier Registergerichten Brandenburgs
eingeführt werden. Die Einsicht in die Registerblätter
wird voraussichtlich bis Ende 2005 auch über das
Internet möglich sein.
3. MESTA
Bereits seit 1999 ist in den Staatsanwaltschaften Brandenburgs
das Fachverfahren MESTA flächendeckend im Einsatz.
Das Programm wird permanent weiterentwickelt.
4. EUREKA-FACH
Die Geschäftsstellenlösung „EUREKA-Fach“ ist eine moderne
Entwicklung der Landesjustizverwaltungen speziell
für die Fachgerichtsbereiche. Sie wird im Land Brandenburg
im Finanzgericht und in den vier Gerichten der Verwaltungsgerichtsbarkeit
eingesetzt.
Das Verfahren erfüllt schon heute weitgehend die Anforderungen
des Gesetzgebers an die Daten- und Verfahrensintegration
für den elektronischen Rechtsverkehr, der einen weiteren
Schwerpunkt in der mittel- und langfristigen IT-Planung der
Justiz bildet.
Bei der praktischen Erprobung elektronischer Kommunikationsformen
in der Justiz nimmt Brandenburg einen Spitzenplatz
ein. Bisher verfügen das Land- und Amtsgericht Frankfurt
(Oder), das Amtsgericht Bad Freienwalde und das Finanzgericht
des Landes Brandenburg über einen Elektronischen
Gerichtsbriefkasten. In den nächsten Monaten sollen alle
Amtsgerichte im Landgerichtsbezirk Frankfurt(Oder) mit einem
solchen ausgestattet werden. An diesen Gerichten ist dann
die Einreichung signierter und unsignierter elektronischer
Schriftsätze rechtswirksam möglich.
Sofern die Praxis dieses neue Serviceangebot der Justiz annimmt,
ist die zügige Einrichtung von elektronischen Briefkästen
für weitere Gerichtsstandorte geplant.
Besonderes Augenmerk legen wir gegenwärtig auf die Verbesserung
der Ausstattung der Justizvollzugsanstalten mit PCTechnik.
Dies bildet die Grundlage für den Aufbau eines Kommunikationsnetzes
der Justizvollzugsanstalten. Für das Jahr
2006 ist die Internetpräsentation des Justizvollzuges, vornehmlich
für Erzeugnisse der Arbeitsverwaltungen, geplant.
Aus der Wirtschaft ist wiederholt der Wunsch an das Ministerium
der Justiz herangetragen worden, auch im Land Brandenburg
das automatisierte Mahnverfahren einzurichten. Dieser
Wunsch ist verständlich.
Angesichts der Gesamtzahl an Mahnbescheiden, die jährlich
im Land Brandenburg beantragt werden, lohnt ein Alleingang
Brandenburgs nicht. Wir haben daher Verhandlungen mit dem
Land Berlin über die Errichtung eines gemeinsamen zentralen
Mahngerichts aufgenommen. Ich bin zuversichtlich, dass es
gelingt, das automatisierte Mahnverfahren bis Mitte 2006 auch
für Brandenburg einzurichten.
Alle genannten Projekte trotz der bekannten schwierigen Haushaltslage
zu realisieren ist eine Herausforderung, der sich die
Justiz mit Engagement und Phantasie stellen wird.
 
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